Estland Michelnummer 13x und 23B (Verkäuferangabe) auf Firmen-Einschreiben 1921 nach Deutschland.
Erworben habe ich den Brief über ebay am 26.04.2026 für insgesamt 15,99 €
Über diese Marken hat ein Nutzer in einem Briefmarkenforum am eine sehr schöne Zusammmenfassung abgebildet:
| Philaforum Thema: Wikinger Nutzer „DKKW„ am 07.01.2017Beitrag #3: |
Hallo zusammen, […] Die älteste Darstellung eines Wikingerschiffes auf Briefmarke die ich gefunden habe stammt übrigens nicht aus Skandinavien sondern vom Baltikum. Nämlich aus Estland. Sowohl im Jahr 1919 als auch im Jahr 1920 brachte die estische Post motivgleiche Markenausgaben mit einem Langboot heraus. Am 20. Juli 1919 zwei Werte zu 1 Mark bzw. 5 Marka (geschnitten, jeweils auf weißem oder hellgrauem Papier) und am 9. September 1920 zwei Werte zu 15 bzw. 25 Marka (geschnitten). Am 8. Juni 1922 folgte eine gezähnte Ausgabe. Von der 5 Marka aus dem Jahr 1919 gibt es eine Abart „kopfstehendes Wikingerschiff“ Vermutlich die teuerste Marke für eine Sammlung „Wikinger“ Ich zeige beide Ausgaben, die linke 1 Mark sollte auf weißem Papier gedruckt sein, die rechte 1 Mark und die 5 Marka auf hellgrauem Papier. Die 15 und 25 Marka sind, wie unschwer zu erkennen, gezähnt. Viele Grüße → BILD |
Hier also „5 Marka“ und „15 Marka“. Gestempelt am 22. Juni 1921 in Tallinn. Ankunft in Berlin am 28. Juni 1921, wobei der Empfänger – Herr Engelin – nicht angetroffen wurde. Er wird das „Einschreiben“ dann wohl beim Postamt abgeholt haben müssen.
Zu dem Absenderunternehmen
„OMNIA“ Export-Import, Tallinn, V Karja 1. “ (Anschrift ?)
habe ich leider nichts herausgefunden.
Empfänger ist Herr Alfred Engelien, Berlin, Rüdersdorfer Straße 69.
Laut Berliner Adressbuch aus dem Jahr 1921 (→ BILD) gab es unter dieser Adresse einen
Herrn Ernst Engelien, Pensionär, Rüdersdorfer Straße 69.
Über einen Ernst Engelien habe ich in der „Schlesische Zeitung“ Nr. 751, Sonntag, den 25. Oktober 1914 (ca. 4 Monate nach Beginn des 1. Weltkriegs) folgenden Eintrag gefunden:
Das Eiserne Kreuz
Mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse wurde ausgezeichnet Major Ernst Engelien, erster Generalstabsoffizier bei einem Armee-Oberkommando, nachdem er und sein Bruder Paul Engelien, Hauptmann in einem Infanterieregiment, Anfang September das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten hatten.
Ob zwischen diesen beiden „Ernst Engelien“ Personengleichheit besteht ist mir nicht bekannt. Ein weiterer Namesvetter lebte in Glücksburg, dieser wurde aber erst nach 1914 geboren, er konnte es also nicht sein. Dann wird im Grottkauer Kreisblatt vom 11.11.1933 noch ein „Landwirt Ernst Engelien, Johnsdorf“ im Zusammengang mit der Erteilung eines Jahresjagdscheins genannt und an weiter Stelle dann „Ernst Engelien, Landwirt und Ziegeleibesitzer, Mühlrain (Matzwitz, Maciejowice), Kreis Grottkau (powiat Grodków)“.
Aber zum o.g. „Paul Engelien“ gibt es eine Personenseite bei Wikipdia:
Paul Engelien (* 5. Juni 1874 in Königsberg; † 27. Dezember 1940 in Berlin) war ein deutscher Generalmajor. Das Grab von Paul Engelien und seiner Ehefrau Vilma befindet sich im Familiengrab auf dem Friedhof Frohnau in Berlin.
Und zur zeitlichen Einordnung dieses Briefes, Estland im Jahre 1921? Laut Google-KI stellt sich die Situation dort wie folgt dar:
Im Juni 1921 befand sich die junge Republik Estland in einer Phase der internationalen Festigung und des Aufbaus, nachdem der Unabhängigkeitskrieg gegen Sowjetrussland erfolgreich beendet war und der Frieden von Tartu (1920) geschlossen wurde.
Hier sind die zentralen Ereignisse für diesen Zeitraum:
- Diplomatische Anerkennung durch Österreich: Im Juni 1921 erkannte Österreich die Republik Estland de jure offiziell an, was zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen führte.
- Stärkung der Infrastruktur und Märkte: Ein Bericht schildert den Alltag im Juni 1921, in dem das Markttreiben in Reval (heute Tallinn) mit Fässern voller Butter und Fischen ein Zeichen des Wiederaufbaus war.
- Vorbereitung auf internationale Beziehungen: Der estnische diplomatische Vertreter in Österreich, Karl Menning, wurde 1921 ernannt, während kurz darauf (Juli 1921) auch Deutschland Estland de jure anerkannte.
Der Juni 1921 war somit ein Teil der frühen Konsolidierungsphase, in der Estland seine Souveränität international verankerte.
Hier noch ein weiterer Brief (Stempeldatum „6 X 23“ (06.10.1923) ?), jetzt von der AEG, welcher dies möglicherweise wiederspiegelt. Dieser Brief weist als Absender und Empfänger jeweils die AEG mit zwei unterschiedlichen Anschriften in Berlin aus, er wurde aber in Estland abgestempelt. Ich vermute deshalb, um im Falle eines möglichen „Zustellungsproblems“ sicherzustellen, dass der Brief nicht verloren geht. Auf der Rückseite befindet sich eine per Hand entwertete 40 Pfennigmarke (Michelnummer 232, Ausgabe ab Januar 1923). Vielleicht als „Schutz“ für den Fall, dass der Brief der Reichspost wegen der eigentlichen „falschen“ Absenderortsangabe als falsch frankiert erscheint, wobei dieses „Porto“ wegen der inzwischen in Deutschland auch beim Briefporto eingesetzten Hyperinflation im Oktober 1923 natürlich unzureichend-abwegig war? Vielleicht ist es ein Brief, welcher ein deutscher Handelsvertreter/Mitarbeiter der AEG (Stempel „VAK SAL“ = für „Happsalu“ ?) seiner Ehefrau in Berlin geschrieben und dafür einfach einen Briefumschlag der AEG benutzt hat, hier in diesem Fall der „Ingen“iuer „Oswald Wildhagen“ an „Märy Wildhagen“ → Bild, an (s)eine Wohnanschrift Berlin NW-21, Alt-Moabit 90?
Google-KI:
Die AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) war in den 1920er Jahren, einschließlich 1923, aktiv am Aufbau der Infrastruktur in Estland beteiligt, insbesondere im Bereich Elektrifizierung. Als führendes deutsches Elektro-Unternehmen lieferte die AEG technische Ausrüstung, Generatoren und führte Elektrifizierungsprojekte durch, um die Infrastruktur des jungen estnischen Staates nach dem Unabhängigkeitskrieg zu modernisieren.Die Aktivitäten konzentrierten sich auf:
- Elektrifizierung: Lieferung von elektrotechnischen Anlagen für Kraftwerke und Industrieanlagen, was entscheidend für die industrielle Entwicklung Tallinns war.
- Geschäftliche Verbindungen: Aufbau von Handelsbeziehungen und Vertretungen in Tallinn, um technische Expertise und Produkte anzubieten.
Dieser Brief ist ebenfalls mit einer „15 Marka“ Wikingerschiff frankiert, jetzt aber in der gezähnten Version, welche ab dem 08.06.1922 ausgegeben wurde. Ersteigert habe ich diesen Brief am 30.04.2026 für insgesamt 11,40 €.

