Hier eine sehr schöne Karte, vermutlich von Hans Lautensach am 04.07.1974 an Familie H. Medenbach in Berlin geschrieben. Abgestempelt wurde die Karte in UMANAK (heute: Uummannaq) in Grönland, das Datum auf dem Poststempel ist etwas unleserlich, ich vermute den 03.08.1974, das würde insofern passen, weil sich bestimmt der Briefkasten bzw. das Postamt weit entfernt vom Basislager befand. Offenbar wurde gegen Vorkasse vermutlich eine Menge Sammlerpost verschickt. Es finden sich auch Sammlerbriefe mit extra angfertigten, schönen Stempeln von anderen Expeditionen im Angebot, so dass diese Sammlerpost wohl auch zu Marketingzwecken verwendet wurden. Mir soll es recht sein, hier haben wir einen hübschen Dreiecksstempel mit einem Alpen(Verein)-Edelweiß und der Ortsangabe des Wegener-Land, also der Expeditionszielregion, sowie zur Orientierung den südlich gelegenen Polarkreis. Außerdem ein kleiner Hubschrauberstempel als Nachweissymbol für die Luftbostbeförderung.
Die 1. oberhessische Grönlandexpedition fand 1971 statt.
Die 2. Expedition dann 1974.
Mitglieder waren ¹:
- Robert Kreuzinger (Leiter)
- Hans Behnecke
- Kurt Diemberger, [→ ? Kurt Diemberger, österreichischer Bergsteiger, Filmemacher, Fotograf und Autor ?]
- Anne Kreuzinger
- Karl Landvogt
- Hans Lautensach
- Wolfgang Rauschel,
- Jörg Rautenburg
- Wolf Reuter
Absolviert wurden:
- 8 Besteigungen, davon 5 Erstbegehungen, im südlichen Teil der Qioqe-Halbinsel und auf der Alfred-Wegener-Halbinsel.
Robert Kreuzinger berichtete ²:
„Halbinsel Qioqe, Westgrönland. Die zweite Hessische Grönlandexpedition mit acht Männern und meiner Frau Anne startete am 27. Juni mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Søndre Strømfjord. Von dort flogen wir mit dem Hubschrauber weiter nach Umanak, wo wir ein Fischerboot charterten. Wir bestiegen fünf neue Gipfel auf der Qioqe-Halbinsel: Felsklettereien wie den Ostgipfel der Inukavsait-Qaqarssue-Gruppe, der am 14. Juli von Wolf Reuter und Wolfgang Rauschel und am Folgetag von Kurt Diemberger, Hans Lautensach, Jörg Rautenburg, meiner Frau Anne und mir bestiegen wurde, sowie den Ostgipfel des Qioqipqaqai am 7. Juli von Rautenburg, Rauschel, Karl Landvogt und mir. Hinzu kamen kombinierte Kletterrouten wie der Westgrat des Westgipfels derselben Gruppe, der am 16. und 17. Juli von Rautenburg und Diemberger begangen wurde, und der Hauptgipfel des Qioqipqaqai am 15. Juli von Diemberger und Rautenburg. Außerdem unternahmen wir eine Skitour auf den P 1670 (1655 m), die am 8. Juli von Landvogt und mir durchgeführt wurde. Die Besteigung des höchsten Gipfels der Wegener-Halbinsel, des Agpartut, scheiterte nach einem 36-stündigen Biwak in einem Schneesturm und anhaltend schlechtem Wetter. / Robert Kreuzinger, Deutscher Alpenverein“
Quellen: American Alpine Club: 1 und 2 (AutoÜbersetzung)
Ein rückblickender Zeitungsartikel erschien am 16.11.2021 in der Frankfurter Neuen Presse:
Lautensach schrieb an Famile Medenbach (Laut Berliner Telefonbuch 1974, Seite 63, „Heinz Medenbach“):
Uvkusigssat (heute: Ukkusissat), 04.07.
Meine Lieben – die erste Woche ist vorüber. Fantastisch: Fels, Eis, Fjorde, Sonne, Eskimos u. Hunde, Hunde – – Ich sitze im „Schulhaus“ schreibe und mache genug Eis.Schnee Touren [?], die anderen sind z. Z. im Inlandeis. – Hoffentlich seid Ihr gut durch den …?… gekommen.
Herzlichst Euer Hans
Eine für mich interessante Frage lautet natürlich: Wer ist auf dem Bild der schreibende Expeditionsteilnehmer und natürlich: Wie lautete der Name des Charter-Fischkutters auf dem Bild ?
Erworben habe ich die Karte über ebay am 27.09.2026 für insgesamt 6,00 €, eine zweite Karte mit dem Informationstext lag freundlicherweise umsonst bei.



